In einem Gastbeitrag in Der Freitag schreibe ich anhand von zwei Neuerscheinungen über Antiziganismus in der DDR – und wie Diskriminierung von Sinti und Roma dort verschwiegen wurde. Hier ein Auszug:

»In der DDR kamen Sinti und Roma offiziell nur in der Kunst vor: Im Unterricht haben wir Ede und Unku gelesen, das wunderbare Jugendbuch aus dem Jahr 1931. Die Kinderbuchautorin Grete Weiskopf erzählt darin unter ihrem Pseudonym Alex Wedding die Geschichte vom Arbeiterjungen Ede und seiner Freundschaft zum Mädchen Unku, das aus einer Sinti-Familie stammt. Dass die Handlung auf einer wahren Begebenheit beruhte, wusste ich damals nicht. Schausteller und Rummelplatzbesitzer gab es und die klebrigen Schlager von Sandra Mo und Jan Gregor. Und es gab auch Menschen, denen unsteter Lebenswandel vorgeworfen wurde oder ganz direkt ein „Zigeunerleben“. Als junge Frau habe ich das im Arbeiter- und Bauernstaat zu hören bekommen, als schweren Tadel sozusagen. Davon aber, dass in der Deutschen Demokratischen Republik noch etwa 300 Sinti lebten, meist unter sehr ärmlichen Verhältnissen und eben nicht als Staatsbürger gleichberechtigt, wie es die Verfassung allen DDR-Bürgern versprach, davon wusste ich nichts.«

Der Freitag, 12.11.2020, online auf freitag.de